Mit einer eindrucksvollen Eigeninterpretation der romantischen Schauererzählung „Der Sandmann“ ist der Oberstufentheatergruppe ManiacTs ein Theaterabend zwischen Realität und Wahn gelungen, der die vielen hundert Besucher an den beiden Theaterabenden gleichermaßen faszinierte wie betroffen machte. Die selbst verfasste Bühnenfassung nach E.T.A. Hoffmann, der in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiern würde, verwandelte die bekannte Erzählung in ein dichtes Drama, das unterstützt vom Mittel- und Oberstufenchor die Abgründe der menschlichen Seele mitreißend beleuchtete.
Der Sandmann nimmt die Augen, immer die Augen
Meldung vom 13. April 2026


Im Zentrum des Stücks steht die tragische Figur des jungen Studenten Nathanael, der hochemotional und beeindruckend von David Lichtenfeld gespielt wurde, dessen Leben von Kindheitstraumata und düsteren Visionen geprägt ist. Am Beginn wird das Publikum in seine frühesten Erinnerungen hineingezogen und damit in die unheimlichen Begegnungen mit dem vermeintlichen Sandmann, der in der Gestalt des Alchimisten Coppelius, der düster und faszinierend von Muhammed Özgül dargestellt wurde, sich tief in Nathanaels Bewusstsein einbrennt. Als die Kindsmagd Lisbeth, authentisch und gruselig von Melissa Ruso, dem Kind die Geschichte eines Augen ausreißenden Sandmanns als Gutenachtgeschichte erzählt, beginnt der Wahnsinn in Nathanael langsam Gestalt anzunehmen. Diese wahnsinnigen inneren Stimmen wurden verkörpert durch die sieben Sandmänner Milla Teuscher, Robin Hütte, Felizitas Kaiser, Pauline Mair, Lara Specht, Annika Karrasch und Viktoria Kilian, die chorisch als geschlossene Einheit und doch mit individuellen Elementen das Publikum in eine beklemmend schaurige Atmosphäre setzten, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Stück zog.

Da hilft es auch nichts, dass die liebevolle Mutter, mitfühlend und fürsorglich von Leah Borsutzky, versucht, Nathanael von den Ammenmärchen zu befreien. Denn als der Vater, emotional und engagiert von Joshua Okolinski, kurz darauf seinen Tod in einem alchemistischen Experiment findet, scheint das Lebensdrama des Kindes endgültig vorgezeichnet. Der Wahnsinn treibt Nathanael so weit, dass er eine von Professor Spalanzani, herrlich verrückt von Michael Euringer, erschaffene Puppe ganz im Sinne Frankensteins für ein lebendiges Wesen und noch dazu seine große Liebe hält. Diese Puppe wurde in beeindruckender Manier von Magdalena Stangler dargestellt, die zeitweise die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen ließ. Als schließlich nicht einmal mehr Nathanaels Verlobte Clara, hochemotional und mit vollem Einsatz von Franziska Regensburger, und sein bester Freund Lothar, energisch und mitfühlend von Elias Musman, Nathanael vor dieser Welt des Wahnsinns retten können, ist das tragische Ende der Erzählung vorgezeichnet. Gelungen ergänzt wurde das Theaterstück durch zahlreiche passende dramatische Lieder, teilweise auch Kinderschlaflieder, die vom stimmlich präsenten Mittel- und Oberstufenchores unter der Leitung von Andreas Hilz dargeboten wurden.

Dieser Theaterabend, ein Abend zwischen Realität und Wahn, der Oberstufentheatergruppe ManiacTs unter der Gesamtleitung von Hans-Peter Schneider begeisterte das Publikum und Standing Ovations mit langanhaltendem Applaus belohnten alle Mitwirkenden für ihre monatelange intensive Vorbereitung. Dass die Bühne mit Schatten, Lichtwechseln und klanglichen Effekten perfekt in unheimliche Szene gesetzt war, aber auch der Ton während der Aufführung zielgenau funktionierten, schaffte das Schülertechnikteam unter der Leitung von Andreas Schmidt mit Unterstützung von Hausmeister Stefan Busch. Für die Bühnenbildnerei zeichnete sich das Bühnenbauteam unter der Leitung von Björn Keidel verantwortlich und für die faszinierenden Masken der Schauspieler sorgten Schülerinnen der Q12 und Q13. Wieder einmal wurde durch diese zwei Abendaufführungen der hohe Stellenwert und die große Qualität des Theaters am Gymnasium Gaimersheim präsentiert und zwei Theaterabende gezeigt, die sicherlich noch lange nachwirken werden.























































