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Erinnerung durch Theater lebendig werden lassen

Meldung vom 22. Juli 2026 (14:00 Uhr)

Theaterworkshop zur Holocaust-Bildung am Gymnasium Gaimersheim

Einen besonderen Zugang zur Erinnerungskultur erlebten kürzlich Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Gaimersheim. Im Rahmen eines theaterpädagogischen Projekts des TAMS-Theater München beschäftigten sie sich intensiv mit der Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden Alexander Shmuel Schneider und den Mechanismen von Ausgrenzung und Propaganda.

Durchgeführt wurde das Projekt von der israelischen Historikerin und Autorin Ilanit Ilia sowie dem Theatermacher und BR-Sprecher Burchard Dabinnus. Als besonderer Gast nahm außerdem Dr. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e. V. teil. Zu Beginn wurden alle Gäste und Teilnehmenden von Schulleiterin Christine Schmid-Mägele herzlich begrüßt, durch deren Verbindung mit der TAMS-Mitarbeiterin Stephanie Heyl die Idee zu diesem oberbayerischen Pilotprojekt entstand. Erinnerungsarbeit sowie eine werteorientierte Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen sind der Schulleiterin ebenso wie der gesamten Schulgemeinschaft ein wichtiges Anliegen. Daher übernahm das Gymnasium Gaimersheim gerne die Rolle als Pilotschule.

Zu Beginn des Workshops wurden die Schülerinnen und Schüler zunächst ohne historischen Bezug in spielerische Aktionen und Fantasiereisen eingebunden. Im Mehrzweckraum entstand aus Tischen und Stühlen ein improvisierter Marktplatz mit Café, Park und Kino. Als „Einwohner“ gestalteten die Jugendlichen das Leben in dieser fiktiven Stadt. Schritt für Schritt veränderte sich jedoch das soziale Miteinander: Einzelne Gruppen wurden gekennzeichnet, Misstrauen entstand und Ausgrenzung wurde zunehmend spürbar. Auf diese Weise erfuhren die Jugendlichen unmittelbar, wie Propaganda und gesellschaftliche Spaltung entstehen und wirken können.

Erst im zweiten Teil wurde der historische Bezug hergestellt. Ilanit Ilia und Burchard Dabinnus erzählten die wahre Geschichte des damals 13-jährigen jüdisch-ungarischen Jungen Alexander Shmuel Schneider, der zwischen 1944 und 1945 durch Mut, außergewöhnliche Geistesgegenwart, glückliche Zufälle und seinen unerschütterlichen Lebenswillen der sicheren Vernichtung in der Shoah entkam. Die Schilderungen wurden durch Geräusche, Musik, szenische Elemente und historische Fotografien eindrucksvoll ergänzt.

Ziel des Workshops war es, historische Grundlagen nicht nur zu vermitteln, sondern den Jugendlichen mithilfe theaterpädagogischer Methoden einen emotionalen Zugang zur Geschichte zu eröffnen. Die Lebensgeschichte Alexander Shmuel Schneiders rückte dabei nicht nur das unfassbare Leid der Verfolgung in den Mittelpunkt, sondern auch die Kraft des Menschen, selbst unter unmenschlichsten Bedingungen Würde und Menschlichkeit zu bewahren. Zum Abschluss hielten die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken und Fragen in Briefen an Shmuel fest. Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie theaterpädagogische Methoden historische Bildung vertiefen und junge Menschen nachhaltig für Demokratie und die Gefahren von Ausgrenzung sensibilisieren können.